Deist-der-Zukunftsmacher.de
Deist der Zukunftsmacher – kopfbild-8_01.jpg
Auszeichnung

Den Kaufpreis bestimmen: „Was ist Ihr Unternehmen wert?“

« Schritt für Schritt

Wenn Sie sich mit Ihrer Unternehmensnachfolge beschäftigen, kommen Sie nicht an dem Thema Unternehmenswert vorbei.
Häufig findet sich bei mittelständischen Unternehmen  in der Familie kein geeigneter Nachfolger. Die Übergabe an einen familienfremden Nachfolger wird dann in vielen  Fällen zu einer zusätzlichen  Herausforderung. Bei einem Verkauf Ihres Unternehmens stellt der Unternehmenswert die Ausgangsbasis für die Ermittlung des Kaufpreises dar; neben der eigenen finanziellen Absicherung steht der Erhalt des Unternehmens und seiner Arbeits-plätze im Vordergrund.

Bei der Unternehmenswertermittlung stellen sich folgende Fragestellungen:

1. Welche Bewertungsverfahren gibt es?
2. Wie wird in der Praxis bei der Bewertung vorgegangen?
3. Ist der Kaufpreis für Verkäufer und Käufer akzeptabel?

1. Welche Bewertungsverfahren gibt es?

Ein auf alle Unternehmen und Branchen anwendbares Unternehmensbewertungsverfahren existiert nicht. Je nach Unternehmensgröße, Bewertungszweck und Datenlage werden unterschiedliche Berechnungsmethoden  angewandt. Beispielhaft können folgende Methoden genannt werden:

  • Ertragswertverfahren
  • Discounted-Cashflow-Methode
  • Substanzwertverfahren
  • Mittelwertverfahren
  • Vereinfachtes Ertragswertverfahren des Steuerrechts
  • Faustregeln

Beim Ertragswertverfahren werden die Nettoerträge Ihres Unternehmens der folgenden fünf Jahre geschätzt und mit einem Kapitalisierungszinssatz abgezinst. In der Regel wird als Kapitalisierungszinssatz die  Umlaufrendite langfristiger Staatspapiere herangezogen. Auf den Kapitalisierungszinssatz werden Abschläge für Geldentwertung und Zuschläge für das Unternehmerrisiko und die Bindung des eingesetzten Kapitals vorgenommen. Die Abzinsung erfolgt überwiegend mit Zinssätzen zwischen 10 und 12 %, bei kleineren Unternehmen wird oft ein Kapitalisierungszinssatz von 20 bis 25 % veranschlagt, was deren Wert erheblich drückt.

Einer meiner Mandanten erwirtschaftet mit seinem Einzelunternehmen, das er in einer eigenen Immobilie betreibt, einen nachhaltigen Gewinn von 150.000 Euro. Die Bewertung könnte nach dem Ertragswertverfahren wie folgt aussehen:

    Steuerlicher Reingewinn beim Einzelunternehmen
    (nach Eliminierung außerordentlicher und betriebs-
    fremder Ergebnisse)                        150.000 Euro
    - kalkulatorisches Gehalt                      50.000 Euro
    - kalkulatorische Miete                      24.000 Euro
    - kalkulatorische Verzinsung des Kapitals              10.000 Euro
    künftiger Jahresertrag                      66.000 Euro
    : Kapitalisierungsfaktor ( Basiszins 5% + Marktrisikoprämie 7%)   12%
                                    -------------------
    Unternehmenswert nach Schulden = Kapital                 549.780 Euro

Bei der Discounted-Cashflow-Methode werden nicht die Nettoerträge sondern der Cashflow (Zahlungsströme, die das Unternehmen in naher Zukunft erwirtschaftet) mit dem Kapitalisierungszinssatz diskontiert. Die Finanzierungskraft eines Unternehmens soll aussagekräftiger sein, als der Gewinn. Dieses Verfahren wird vor allem bei größeren Unternehmen und börsennotierten Gesellschaften verwendet.

Sowohl beim Ertragswertverfahren als auch bei der Discounted-Cashflow-Methode spielt die Substanz Ihres Unternehmens keine Rolle. Beide Verfahren sind zurzeit die führenden Methoden in der Unternehmensbewertungspraxis.
Nur als eine Art Hilfswert kann das Substanzwertverfahren angesehen werden. Wenn überhaupt, eignet es sich  nur für kleinere Unternehmen. Hier wird die Summe der Verkehrs-werte der mit dem Unternehmen zu veräußernden Vermögensgegenstände geschätzt. Davon werden die Schulden abgezogen. Die Differenz soll den Unternehmenswert darstellen.

In der Unternehmensbewertungspraxis mittelständischer Unternehmen wird oft auch noch das sogenannte Mittelwertverfahren verwendet. Dabei wird das arithmetische Mittel aus Substanzwert und Ertragswert gebildet.
Seit der Reform des Erbschaft- und Schenkungsteuergesetzes ist das Vereinfachte Ertragswertverfahren im Bewertungsgesetz geregelt. Das Verfahren soll die Möglichkeit bieten, ohne hohen Ermittlungsaufwand oder Kosten für einen Gutachter einen objektiven Unternehmens- bzw. Anteilswert auf der Grundlage der Ertragsaussichten nach § 11 Abs. 2 Satz 2 BewG zu ermitteln; mindestens wird aber der Substanzwert angesetzt.

Das Verfahren ist rechtsformneutral und ermittelt den Unternehmenswert wie folgt:

Zukünftig nachhaltig erzielbarer Jahresertrag ( Durchschnitt der bereinigten Betriebsergebnisse der letzten 3 Jahre vor dem Bewertungsstichtag)
x Kapitalisierungsfaktor (variabler Basiszinssatz + pauschaler Zuschlag von 4,5 Prozent)
= vereinfachter Ertragswert
+ Nettowert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens
+ Wert der Beteiligungen an anderen Gesellschaften
+ Nettowert des jungen Betriebsvermögens (Einlage innerhalb der letzten 2 Jahre vor dem Bewertungsstichtag)
= Unternehmenswert

Dieses Verfahren ist vergangenheitsorientiert und berücksichtigt weder die Finanzierungs-struktur eines Unternehmens noch die Branchenrisiken oder die Abhängigkeit von der Unternehmerpersönlichkeit. Es führt in der Regel zu überhöhten Werten und ist für eine Unternehmensbewertung nur sehr bedingt anwendbar.

Ein für kleine und mittelständische Handwerksunternehmen sehr gut geeignetes Verfahren ist der AWH-Standard des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH).

Neben diesen beschriebenen Verfahren werden bei der Unternehmensbewertung auch noch sogenannte Faustregeln angewendet. So kann der Unternehmenswert als bestimmter, von Branche zu Branche verschiedener Prozentsatz vom Umsatz ermittelt werden. Je nach Lage und den Aussichten der jeweiligen Branche schwanken diese Prozentsätze im Zeitablauf. Diese Bewertung wird überwiegend bei Freiberuflern angewendet.

Was Ihr Unternehmen überhaupt wert ist, darüber kann man trefflich streiten. Eigentlich müssten die Bewertungsmethoden theoretisch allesamt zu einem übereinstimmenden Ergebnis kommen, nur in der Praxis tun sie es so gut wie nie.

2. Wie wird in der Praxis bei der Bewertung vorgegangen?

Die vorstehenden Ausführungen zeigen die hohe Komplexität des Gebietes der Unter-nehmensbewertung. Um einen ersten Anhaltewert für kleine  und mittelständische Unter-nehmen zu bekommen, kann man wie folgt vorgehen:

In der Vergangenheit erwirtschafteter Normalgewinn
./. 30 Prozent Pauschalsteuer
Zwischenwert
: marktüblicher Risikozins
= erster Anhaltewert für den Wert Ihres Unternehmens

Aus meinen Erfahrungen bei durchgeführten Unternehmensbewertungen kann ich sagen, dass praktisch nie der von Käufer- und Verkäuferseite stets unterschiedlich errechnete Unternehmenswert den Kaufpreis bildet. Die Kaufpreisvorstellungen der beiden Parteien führen lediglich zu einem Preiskorridor, innerhalb dem sie sich einigen müssen.

Fazit: Es dürfte deutlich geworden sein, dass aufgrund der Kompliziertheit der Unter-nehmensbewertung für den Unternehmer selbst eine Bewertung des eigenen Unternehmens kaum möglich sein wird. Nur durch professionelle Bewertung kann Schaden sowohl für den Verkäufer als auch den Käufer vermieden werden. Wirtschaftsprüfer und Steuerberater können Ihnen als Profis das Unternehmen bewerten oder Ihnen bei der Bewertung behilflich sein. Dabei schauen sie im Rahmen eines sogenannten Due-Diligence auch hinter die Kulissen des Unternehmens und stellen Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken fest.

Anmerkung: Weder Verkäufer noch Käufer sollten bei der Findung der Kaufpreis-vorstellungen auf sachkundigen Rat eines auf Unternehmensbewertung spezialisierten Steuerberaters und/oder Wirtschaftsprüfers verzichten. Wir stehen Ihnen mit unserer Zusatzqualifikation des Fachberaters für Unternehmensnachfolge auf diesem Gebiet sehr gerne zur Verfügung.

3. Ist der Kaufpreis für Verkäufer und Käufer akzeptabel?

Für viele ist das eigene Unternehmen ein wesentlicher Bestandteil der finanziellen Absicherung im Alter. In diesem Fall ist der Unternehmensverkauf eine adäquate Lösung für die Unternehmensnachfolge, wenn sich keine familieninterne Lösung findet. Aber nicht immer ergibt der Verkaufspreis des eigenen Unternehmens einen ausreichenden Baustein der Altersvorsorge. Der Wert Ihres Unternehmens ist nicht der, der sich mathematisch in Gutachten theoretischer Unternehmensbewertungen errechnet, sondern das, was der Markt bereit ist zu zahlen.

Sie als Verkäufer können einen noch so begründeten Kaufpreis errechnen, den Käufer wird er nur insoweit interessieren, wie er persönlich in der Lage sein wird, die Refinanzierung des Kaufpreises aus den Erträgen des von Ihnen zu erwerbenden  Unternehmens zu bewirken.

Einer meiner Mandanten hat sein Unternehmen, mit dem er in der Vergangenheit einen nachhaltigen Gewinn von 150.000 Euro p.a. erzielt hat, für 1 Mio. Euro verkauft. Anhalts-punkte dafür, dass dieser Gewinn zukünftig nicht mehr erzielt werden könnte, gab es nicht. Eine Unternehmensbewertung hat bei einem nachhaltigen Gewinn von 150.000 Euro einen wesentlich höheren Unternehmenswert errechnet, der sich am Markt aber nicht erzielen ließ. Die Kaufinteressenten, die in der Regel  für die Kaufpreisfinanzierung nicht über das notwendige Eigenkapital verfügten, waren auf Bankfinanzierungen angewiesen. Die Banken verlangen in Anbetracht von Basel II einen eigenen Risikoteil des Erwerbers, und der war bei allen Kaufinteressenten begrenzt.

Ihre Vorstellungen vom Verkaufspreis des Unternehmens werden letztendlich von den Finanzierungsmöglichkeiten der potenziellen Erwerber begrenzt. Darüber müssen Sie sich im Klaren sein, sonst werden Sie immer wieder von den Kaufinteressenten enttäuscht.

 
« Schritt für Schritt